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Urlaub mal anders

Früher sind meine Eltern mit uns Kindern nach Frankreich in ein Ferienhaus gefahren. Dann hat man am Strand oder Pool rumgehangen, ist auf den Markt gegangen und hat Boule gespielt. Abends wurde gekocht und gegessen. Als wir älter wurden, setzte sich irgendwann meine Mutter durch: ein Urlaub in Schweden. Im Kanu und mit Zelt. So hatte sie in ihrer Kindheit Urlaub gemacht. Sie vermisste die Abwechslung. Die Bewegung. Das Draußensein.

Also waren unsere Ferien im darauf folgenden Jahr etwas anders. Wir sind nach Schweden gefahren und waren dort zwei Wochen lang mit Kanus unterwegs. Jeden Abend das Zelt aufbauen, jeden Morgen wieder paddeln. Immer beschäftigt sein, aber nie gestresst. Fantastisch.

Seitdem war ich nur ein einziges Mal im Sommer längere Zeit in einem Ferienhaus. Ich war ein paar Mal Kajak fahren in Schweden – mal mit Freunden, mal mit meiner Familie. Wir sind die Dordogne entlang gepaddelt und haben mit Kajaks die finnischen Aland-Inseln umrundet, gefolgt von der Insel Raab in Kroatien. Wir waren mit Eseln in den Pyrenäen wandern und ohne Esel in den Schweizer Alpen. Wir sind mit dem Rad durch Dänemark und mit dem Auto durch Kalifornien gerollt. Eines hatten alle Urlaube gemeinsam: das Zelt war dabei und der Ort wurde (fast) jeden Tag gewechselt. Ankommen. Schlafen, Weiterziehen.

Warum immer weit weg fahren?

Aber warum muss man dafür immer so weit weg fahren? Die Anreise ist teuer, die zeitliche Koordination mit den Leuten schwierig und überhaupt: Muss man unbedingt in die Welt hinaus fahren, wenn man die Gegend vor der eigenen Haustür gar nicht richtig kennt?

Das Problem liegt auf der Hand: in Deutschland ist das Zelten in der Freien Natur so nicht möglich. In der Regel ist es verboten und wenn es doch mal erlaubt ist, weiß man davon nichts. Zwischen Wohnwagen auf Campingplätzen, gebuchten Jugendherbergen und verbotenem Wildcampen bleibt das Gefühl der Sorglosigkeit und Freiheit irgendwie auf der Strecke.

Übernachten in der freien Natur für Jeden

So entstand die Idee, ein Jedermannsrecht in Deutschland zu etablieren. Dazu muss nicht unbedingt das Gesetz geändert werden. Es hilft ja schon zu wissen, wo welche Gesetzte gelten. Auch geht es nicht darum komplett umsonst zu nächtigen, sondern darum, jedem eine Auszeit in der Natur zu ermöglichen – unabhängig vom Budget. Ziel ist es ein Netzwerk von Plätzen zu schaffen, an denen man in der freien Natur übernachten kann und über Rechte und Pflichten zu Informieren – ein grassroot-jedermannsrecht sozusagen.

Natur soll für jeden und jederzeit zugänglich sein. Jeder muss die Möglichkeit haben, in der Natur leben zu können – und wenn es auch nur für eine Nacht ist. Einerseits, weil es ein tolles Gefühl ist. Weil es eine tolle Erfahrung ist. Und damit man die Chance hat zu erkennen, dass das da draußen für jeden ein zu Hause ist. Man darf es nutzen und es lohnt sich zu erhalten!